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17 September 2007, 03:38  

Guerillamarketing


Seit Jahren wird empfohlen im Internet ganz andere Werbeformen zu nutzen. Einfach Anzeigen zu schalten, wie man es in den Printmedien tut, sei wenig effektiv. Aber mit Guerillataktiken könne Erfolg erreicht werden: Wichtige Meinungsträger gewinnen und dazu bringen, virale Botschaften im Web zu verbreiten. Dieses Rezept wird allerdings jetzt angezweifelt.

Als Dreh- und Angelpunkt für Marketingkampagnen im Internet gelten zurzeit die Social Networks. MySpace, Facebook und YouTube sind doch ideale Werbeplattformen - wenn man allein die Nutzerzahlen betrachtet. Millionen von potentiellen Käufern tummeln sich dort täglich und könnten durch Werbung sehr einfach erreicht werden. Könnten, wohlgemerkt. Denn eine aktuelle IDC-Studie verweist darauf, dass die Social Networks im Jahr 2006 nur etwa 400 Mio. US$ Umsatz mit Werbung gemacht haben. In der Zukunft soll es mit einem Mix aus Werbung, Subskriptionsgebühren und eCommerce-Angeboten bergauf gehen. In diesem Jahr könnten schon 1 Mrd. US$ erreicht werden.

Einige Social Networks werden sich aber nach Ansicht der Experten kaum zu umsatzstarken Werbeplattformen weiterentwickeln, denn sie können keine Garantie für ihre Contents übernehmen. Werber wollen ihre Botschaften nicht in direkter Nachbarschaft zu zum Beispiel rechtlich nicht unbedingt einwandfreien Inhalten sehen, betont Karten Weide von IDC. Er sieht eine Dilemmasituation: Wenn die Social Networks verstärkte Kontrolle ausüben, verlieren sie an Attraktivität - gerade die macht sie aber für die Werbetreibenden so interessant.

Soweit also IDC. Wenn es nur diese Studie wäre, könnten wir sie als Ausreißer beiseite legen. Aber von Jupiter Research gibt es gleich eine volle Breitseite dazu. Ausgerechnet auf die „Influential Brand Advocates“, zu denen immerhin fast ein Viertel aller erwachsenen Online-Nutzer gezählt werden, soll kein Verlass sein: Sie verbringen nämlich viel mehr Zeit damit, online vor ihren Kaufentscheidungen zu recherchieren und dann zu bestellen, als dass sie Empfehlungen im Internet verbreiten. In der Jupiter Research Konsequenz ist gerade diese Zielgruppe viel besser durch ganz traditionelle Werbung in Form von Produkt-Microsites und -bewertungen zu erreichen als durch die so genannten sozialen Marketing-Taktiken wie etwa Blogs.

Und auch die viralen Marketing-Kampagnen bleiben durch Jupiter Research nicht ungeschoren: Sie hätten versagt und erreichten kaum das Massenpublikum. Ineffektivität wird ihnen vorgeworfen, denn falsche gewählte Taktiken die gewünschten positiven Effekte für die großen Marken nicht erreichen. Kritikerin Emily Riley beschreibt den wunden Punkt: Auch „virale Marketers“ arbeiten zu häufig mit dem „Eine-für-Alle-Prinzip“ und senden an alle Mitglieder der Zielgruppe, auch hier die „Influentials“, die gleiche Werbebotschaft. Dabei sollten sie eigentlich wissen, dass es auch hier unterschiedliche Gruppierungen gibt, die nicht nur unterschiedlich auf die Kampagne reagieren, sondern auch die Botschaft sehr unterschiedlich interpretieren und weitergeben.

Zurück zum Ausgangspunkt: Markieren diese drei Studien nun wirklich das Aus für Guerillamarketing oder virales Marketing? Natürlich nicht, ich muss zugeben, ich habe die Überschrift eher aus provokativen Gründen gewählt. Eigentlich ist das Problem immer wieder das Gleiche: Werbung kann nur funktionieren, wenn sie ihre Zielgruppe wirklich versteht. Und im Internet reicht es eben nicht „einen Brand“ - wenn auch mit webaffinen Mitteln - zu kommunizieren. Auch der Stellenwert der Marke selbst muss neu bestimmt werden: Was gilt der Brand im Netz? Manche Marken sind eben für Guerillas nicht transportierbar.
 


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